Das Wichtigste in Kürze

  • Das passende Schmerzmittel richtet sich nach Schmerzursache und -art, Behandlungsziel, Gebrechlichkeit, Nieren- und Leberfunktion, Begleiterkrankungen und der gesamten Medikation – nicht allein nach der Schmerzstärke.
  • Im geriatrischen Einsatz gilt: vorsichtig beginnen, individuell anpassen und Wirkung sowie Verträglichkeit eng kontrollieren. Das darf jedoch nicht bedeuten, akute oder starke Schmerzen unzureichend zu behandeln.
  • Paracetamol, Metamizol, NSAR und Opioide haben unterschiedliche Nutzen und Risiken. Kein Wirkstoff ist für alle älteren Menschen die sichere Standardlösung.
  • Ein gutes Ergebnis ist mehr als eine niedrigere Schmerzzahl: Aufstehen, Schlaf, Atmung, Wachheit, Mobilität, Appetit, Ausscheidung und Teilhabe müssen mitbeobachtet werden.
  • Schmerzmedikamente nie eigenmächtig neu beginnen, höher oder häufiger geben, teilen, zerkleinern, kombinieren oder plötzlich absetzen. Auch frei verkäufliche Präparate gehören in den Medikationsabgleich.

Schmerztherapie beginnt nicht mit dem Medikamentennamen

Ein Schmerzmittel kann nur sinnvoll ausgewählt werden, wenn möglichst klar ist, was behandelt werden soll. Entzündliche Gelenkschmerzen, Nervenschmerz, Schmerz nach einer Fraktur, Tumorschmerz und schmerzhafte Muskelverspannung reagieren nicht automatisch auf dieselben Wirkstoffe. Bei neuen oder deutlich veränderten Schmerzen gehört deshalb die Ursache ärztlich beurteilt – besonders nach einem Sturz, bei Fieber, neurologischen Ausfällen, Brust- oder Bauchschmerz.

Ebenso wichtig ist ein konkretes Ziel. „Schmerzfrei“ ist bei lang anhaltenden Beschwerden nicht immer erreichbar. Sinnvolle Ziele können sein: wieder vom Bett zum Stuhl gelangen, nachts mehrere Stunden schlafen, die Körperpflege tolerieren, einen Spaziergang schaffen oder weniger Schmerzspitzen erleben. Erst ein solches Ziel macht erkennbar, ob der Nutzen eines Medikaments seine Belastungen überwiegt.

Medikamente sind ein Teil des Plans. Die aktuelle S3-Leitlinie GeriPAIN und der DNQP-Expertenstandard verstehen Schmerzmanagement interprofessionell: Schmerzerfassung, medikamentöse und geeignete nichtmedikamentöse Maßnahmen, Beratung, Nebenwirkungsprophylaxe und Verlaufskontrolle gehören zusammen.

Warum das höhere Lebensalter die Wirkung verändert

„Alt“ ist keine einheitliche biologische Kategorie. Ein selbstständiger 82-jähriger Mensch kann Medikamente anders verarbeiten als eine gebrechliche 70-jährige Person mit Niereninsuffizienz, Mangelernährung und vielen Verordnungen. Typische geriatrische Faktoren können die Wirkung dennoch verändern:

  • Die Nierenfunktion nimmt häufig ab; Wirkstoffe oder aktive Abbauprodukte können sich anreichern.
  • Leberfunktion, Körperwasser, Fettanteil und Eiweißbindung verändern Verteilung und Abbau.
  • Gehirn und Kreislauf reagieren oft empfindlicher auf dämpfende oder blutdrucksenkende Wirkungen.
  • Gebrechlichkeit, Demenz, Sturzgefährdung, Schluckprobleme und Mangelernährung erhöhen praktische Risiken.
  • Polypharmazie macht Wechselwirkungen und doppelte Wirkstoffe wahrscheinlicher.
  • Nebenwirkungen können verzögert, unspezifisch oder als vermeintliche „Altersverschlechterung“ erscheinen.

Darum empfiehlt GeriPAIN, Analgetika und Co-Analgetika niedrig zu beginnen, bei Bedarf und Verträglichkeit langsam anzupassen sowie Wirkung und unerwünschte Wirkungen engmaschig zu kontrollieren. Die konkrete Auswahl und Dosierung bleibt eine ärztliche Aufgabe und muss zur Fachinformation und individuellen Situation passen.

Vor jeder Verordnung oder Veränderung: acht Fragen

  1. Welche Schmerzursache und Schmerzart werden vermutet?
  2. Ist der Schmerz akut, chronisch stabil oder neu instabil?
  3. Welches alltagsnahe Ziel soll erreicht werden?
  4. Welche Nieren-, Leber-, Magen-Darm-, Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen bestehen?
  5. Welche verordneten, frei gekauften und pflanzlichen Mittel werden tatsächlich eingenommen?
  6. Welche Erfahrungen, Allergien oder schweren Nebenwirkungen gab es bisher?
  7. Kann die Person Einnahme, Bedarfsregeln und Warnzeichen sicher verstehen oder braucht sie Unterstützung?
  8. Wann und anhand welcher Kriterien werden Nutzen und Verträglichkeit überprüft?

Die wichtigsten Wirkstoffgruppen – ohne falsche Rangliste

GruppeMöglicher EinsatzIm Alter besonders beachten
ParacetamolNicht-opioides Schmerz- und Fiebermittel; je nach Ursache bei leichten bis mäßigen Schmerzen erwägenswert.Begrenzte und uneinheitliche Wirksamkeit bei manchen chronischen muskuloskelettalen Schmerzen; Leberrisiko, Mangelernährung, niedriges Gewicht, Alkohol und unbemerkte Doppelgabe in Kombinationspräparaten beachten.
MetamizolIn Deutschland unter anderem bei bestimmten starken akuten oder chronischen Schmerzen, wenn andere Maßnahmen nicht angezeigt sind; auch krampflösend.Seltene, aber potenziell tödliche Agranulozytose; außerdem Blutdruckabfall und Wechselwirkungen. Klare Aufklärung zu Warnzeichen ist unverzichtbar.
NSAR
zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen
Schmerzstillend und entzündungshemmend, etwa bei ausgewählten entzündlichen oder muskuloskelettalen Beschwerden.Magen-Darm-Blutung, Nierenschädigung, Flüssigkeitseinlagerung, Blutdruck- und Herz-Kreislauf-Risiken; Selbstmedikation und Kombination mit Blutverdünnern, ACE-Hemmern/Sartanen und Diuretika prüfen. Wenn vertretbar, möglichst kurzzeitig.
OpioideBei starken Schmerzen oder bestimmten chronischen Schmerzsituationen nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung.Benommenheit, Atemdepression, Übelkeit, Obstipation, Harnverhalt, Delir, Stürze, Abhängigkeit und Anreicherung bei eingeschränkter Nierenfunktion. Ziele, Verbrauch und Nebenwirkungen regelmäßig prüfen.
Co-Analgetika
zum Beispiel ausgewählte Antidepressiva oder Antikonvulsiva
Je nach Wirkstoff vor allem bei neuropathischen Schmerzen oder zusätzlichen Erkrankungen.Schwindel, Müdigkeit, Stürze, anticholinerge Wirkungen, Herzrhythmus- und Wechselwirkungsrisiken; manche Wirkstoffe müssen an die Nierenfunktion angepasst werden.
Lokal angewendete MittelJe nach Diagnose beispielsweise örtliche NSAR, Lidocain oder Capsaicin.Weniger systemische Belastung kann vorteilhaft sein, bedeutet aber nicht risikofrei. Hautzustand, richtige Fläche, Hände und versehentliche Übertragung beachten.

Paracetamol: bekannt, aber nicht automatisch harmlos

Paracetamol verursacht nicht die typischen Magen-Darm- und Nierenrisiken eines NSAR und wird deshalb im Alter häufig erwogen. Daraus folgt jedoch weder, dass es bei jeder Schmerzursache ausreichend wirkt, noch dass jede Dosis sicher ist. Die GeriPAIN-Leitlinie beschreibt die Wirksamkeitslage als schwach und uneinheitlich; für Knie- und Hüftarthrose zeigte eine ausgewertete Cochrane-Übersicht keine Überlegenheit gegenüber Placebo.

Besondere Vorsicht ist bei Lebererkrankung, regelmäßigem Alkoholkonsum, Untergewicht, Mangelernährung und längerer Anwendung nötig. Ein häufiger Fehler ist die unbemerkte Doppelgabe, weil Paracetamol zusätzlich in Erkältungs- oder Kombinationsmitteln enthalten sein kann. Deshalb zählt nicht die Zahl der Packungen, sondern die gesamte Wirkstoffmenge aus allen Präparaten. Eine individuelle Höchstmenge darf nur ärztlich beziehungsweise pharmazeutisch anhand der konkreten Situation festgelegt werden.

Metamizol: wirksam einsetzbar, Warnzeichen müssen bekannt sein

Metamizol wird in Deutschland bei älteren Menschen häufig verwendet. Die hochwertige Evidenz zu Wirksamkeit und unerwünschten Wirkungen ist dennoch begrenzt. Die wichtigste seltene Nebenwirkung ist eine Agranulozytose – ein starker Abfall bestimmter weißer Blutkörperchen, der schwere oder tödliche Infektionen auslösen kann. Sie ist nicht dosisabhängig und kann auch auftreten, wenn Metamizol früher problemlos vertragen wurde.

Auch Kreislaufabfall, Hautreaktionen und Wechselwirkungen gehören beachtet. Besonders kritisch ist eine gleichzeitige Behandlung mit Methotrexat. Besteht eine solche Kombination oder Unsicherheit über den Plan, muss sie aktiv mit Arztpraxis oder Apotheke geklärt werden.

NSAR: frei verkäuflich heißt nicht frei von geriatrischem Risiko

Ibuprofen und einige andere NSAR sind teilweise ohne Rezept erhältlich. Gerade dadurch bleiben sie im Medikationsabgleich leicht unsichtbar. Im höheren Alter steigen jedoch Risiken für Magen- oder Darmblutung, Nierenfunktionsverschlechterung, Blutdruckanstieg, Flüssigkeitseinlagerung und Herz-Kreislauf-Komplikationen. Gefährdet sind besonders Menschen mit früherem Geschwür, Nieren- oder Herzschwäche, Flüssigkeitsmangel oder gleichzeitiger Blutverdünnung.

Eine problematische Kombination ist das sogenannte „Triple Whammy“: NSAR plus ACE-Hemmer oder Sartan plus Diuretikum. Zusammen kann dies das Risiko einer akuten Nierenschädigung deutlich erhöhen. Auch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure zur Herz-Kreislauf-Vorbeugung und zusätzliche Schmerzmittel müssen bei der Bewertung genannt werden. GeriPAIN empfiehlt NSAR bei nicht tumorbedingten Schmerzen nur nach strikter Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst kurzzeitig.

Warnzeichen sind schwarzer teerartiger Stuhl, Bluterbrechen, neue starke Oberbauchschmerzen, deutlich weniger Urin, rasche Gewichtszunahme, neue Ödeme, Atemnot oder eine unerklärliche Kreislaufverschlechterung. Solche Veränderungen brauchen umgehend medizinische Einordnung; bei Kreislaufkollaps, starker Blutung oder Atemnot 112.

Opioide: weder Tabu noch beiläufige Dauerlösung

Opioide können bei entsprechender Indikation auch im hohen Lebensalter wertvolle Schmerzlinderung ermöglichen. Sie sind aber nicht automatisch wirksamer als andere Optionen bei jedem chronischen Schmerz. Vor Beginn sollten Behandlungsziel, erwarteter Zeitraum, Kontrolltermin und Kriterien für Fortführung, Anpassung oder Beendigung geklärt sein.

Gerade in den ersten Tagen, nach einer Dosiserhöhung oder bei einer zusätzlichen Erkrankung sind Wachheit, Atmung, Gleichgewicht, Übelkeit, Wasserlassen und Stuhlgang wichtig. Eine Person kann eine niedrigere Schmerzzahl haben und zugleich so benommen sein, dass Mobilität und Teilhabe schlechter werden. Das ist kein guter Behandlungserfolg.

  • Obstipation: Sie entwickelt sich häufig und wird im Gegensatz zu mancher Übelkeit meist nicht einfach durch Gewöhnung bedeutungslos. Ein vorbeugender und überprüfbarer Plan gehört zur Opioidtherapie.
  • Sturz und Delir: Neue Gangunsicherheit, Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen oder ungewöhnliche Schläfrigkeit zeitnah melden.
  • Atmung: Langsame oder flache Atmung und schlechte Weckbarkeit sind Notfallzeichen.
  • Wechselwirkungen: Benzodiazepine, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Alkohol, Gabapentinoide und weitere dämpfende Mittel können Sedierung und Atemdepression verstärken.
  • Nierenfunktion: Wirkstoffe und Abbauprodukte können sich unterschiedlich anreichern; Umstellungen und Äquivalenzberechnungen gehören in erfahrene ärztliche Hände.
  • Absetzen: Nach regelmäßiger Anwendung nicht abrupt und nicht eigenmächtig beenden. Ein Ausschleichen braucht einen individuellen Plan.

Opioidpflaster: klein in der Fläche, groß in der Sicherheitsverantwortung

Fentanyl- oder Buprenorphinpflaster geben Wirkstoff über längere Zeit ab. Sie sind keine einfache Lösung für plötzlich auftretende Schmerzen und dürfen nur entsprechend der konkreten Verordnung eingesetzt werden. Besonders bei Fentanylpflastern kann eine versehentliche Anwendung oder Einnahme tödlich sein.

  • Altes Pflaster beim Wechsel sicher suchen und entfernen; Datum, Uhrzeit und neue Klebestelle nachvollziehbar festhalten.
  • Nie mehrere Pflaster „zur Sicherheit“ belassen oder ein abgefallenes Pflaster unbemerkt ersetzen.
  • Nicht zerschneiden oder verändern, sofern die konkrete Fach- und Gebrauchsinformation dies nicht ausdrücklich erlaubt.
  • Direkte Hitze wie Wärmflasche, Heizkissen oder Sauna am Pflaster vermeiden; bei Fieber oder starker äußerer Erwärmung professionell rückfragen, weil die Wirkstoffaufnahme steigen kann.
  • Hände nach dem Umgang waschen und gebrauchte Pflaster entsprechend der Produktinformation so entsorgen, dass Kinder, Haustiere und andere Personen keinen Kontakt haben.
  • Bei ungewöhnlicher Schläfrigkeit immer prüfen, ob versehentlich ein zusätzliches Pflaster klebt oder ein Pflaster übertragen wurde.

Besteht der Verdacht auf eine Überdosierung durch ein Opioidpflaster, empfiehlt das BfArM: Pflaster sofort entfernen und 112 kontaktieren. Wegen der fortbestehenden Wirkstoffaufnahme und möglichen verzögerten Verschlechterung darf nicht abgewartet werden, ob die Person „wieder wacher“ wird.

Bedarfsmedikation braucht mehr als das Wort „bei Bedarf“

Eine sichere Bedarfsverordnung muss verständlich festlegen, wofür das Mittel gedacht ist, welche Einzeldosis gilt, welcher Mindestabstand und welche Tageshöchstmenge einzuhalten sind, welche Dauermedikation mitzählt und wann ärztlich rückgefragt werden muss. Ebenso gehört festgelegt, wann die Wirkung beurteilt wird.

„Bei Unruhe“ ist keine ausreichende Schmerzindikation. Gerade bei Demenz kann verändertes Verhalten auf Schmerz hinweisen, beweist ihn aber nicht. Zuerst sollte die Person selbst gefragt und anschließend systematisch beobachtet werden. Der Beitrag Schmerz bei Demenz erkennen erläutert dieses Vorgehen. Die S3-Leitlinie Demenzen rät davon ab, Schmerzmittel ohne konkrete Schmerzindikation allein gegen Unruhe einzusetzen.

Woran sich Wirkung und Verträglichkeit gemeinsam erkennen lassen

BeobachtungsbereichHilfreiche FrageGrund für Rücksprache
Schmerz und ZielIst der Schmerz in Ruhe und bei der wichtigen Aktivität akzeptabler?Keine erkennbare Wirkung, häufigere Schmerzspitzen oder steigender Verbrauch.
Wachheit und KognitionIst die Person ansprechbar wie üblich und kann sie am Alltag teilnehmen?Neue Benommenheit, Verwirrtheit, Halluzination oder auffällige Wesensänderung.
AtmungAtmet die Person ruhig und ohne ungewöhnliche Pausen?Langsame, flache, unregelmäßige Atmung oder schlechte Weckbarkeit: 112.
Mobilität und KreislaufIst Aufstehen sicherer oder entstehen Schwindel und Gangunsicherheit?Sturz, Kollaps, neuer Schwindel oder deutlicher Blutdruckabfall.
Magen, Darm und BlaseBestehen Übelkeit, normaler Stuhlgang und normale Urinmenge?Anhaltendes Erbrechen, harter schmerzhafter Bauch, mehrere Tage ohne Stuhl trotz Plan, Harnverhalt, schwarzer Stuhl oder deutlich weniger Urin.
Haut und InfektzeichenGibt es Ausschlag, Schwellung, Fieber, Halsschmerz oder Schleimhautwunden?Allergische Reaktion; unter Metamizol Infektzeichen sofort abklären.

Häufige Medikationsfehler – und warum sie gefährlich sind

  • Doppelte Wirkstoffe: Derselbe Wirkstoff steckt in Dauer-, Bedarfs- und Erkältungsmedikamenten.
  • Unbekannte Selbstmedikation: Frei gekaufte NSAR, pflanzliche Präparate oder Alkohol fehlen im Medikationsplan.
  • Retardpräparate zerkleinern: Dadurch kann Wirkstoff zu schnell freigesetzt werden. Tabletten nur teilen oder mörsern, wenn die konkrete Darreichungsform dafür geeignet ist.
  • Pflasterfehler: Altes Pflaster bleibt kleben, Wechselzeit oder Klebestelle ist unklar, Wärme erhöht die Aufnahme.
  • Unklare Bedarfsregeln: Indikation, Abstand, Höchstmenge oder Wirkkontrolle fehlen.
  • Automatisches Fortführen: Ein nach Operation oder Akuterkrankung begonnenes Mittel läuft ohne erneute Ziel- und Nutzenprüfung weiter.
  • Eigenmächtiges Absetzen: Besonders Opioide und manche Co-Analgetika können Absetzbeschwerden verursachen.
  • Nebenwirkung als Alterserscheinung: Müdigkeit, Sturz, Verwirrtheit, Appetitverlust oder Verstopfung werden nicht mit der letzten Medikationsänderung verbunden.

Für pflegende Angehörige: sicher unterstützen, ohne Therapie zu übernehmen

Halten Sie einen aktuellen Medikationsplan einschließlich frei gekaufter Mittel bereit. Notieren Sie bei einer Änderung Datum, verordnende Stelle und Beobachtungsauftrag. Beschreiben Sie Wirkung und Auffälligkeiten konkret: „Seit der Erhöhung schläft Herr K. tagsüber fast durch und ist zweimal beim Aufstehen eingeknickt“ ist hilfreicher als „verträgt es nicht“.

Bei Unsicherheit sind Arztpraxis und Apotheke geeignete Ansprechpartner. Fragen Sie ausdrücklich nach Doppelmedikation, Nierenfunktion, Bedarfsregeln, Wechselwirkungen, Einnahmeform und Warnzeichen. Verändern Sie die Therapie nicht selbst – außer eine offizielle Notfallinformation verlangt wie bei Agranulozytosezeichen unter Metamizol das sofortige Pausieren und ärztliche Abklären.

Für Pflegeeinrichtungen: Verordnung ausführen heißt Verlauf mitverantworten

Der DNQP-Expertenstandard verlangt nicht nur die korrekte Durchführung der ärztlich verordneten Medikation. Pflegefachpersonen koordinieren das interprofessionelle Vorgehen, erfassen schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen, unterstützen deren Prophylaxe und beurteilen den Behandlungserfolg anhand der individuellen Ziele.

  • Ausgangsschmerz und Funktionsziel vor Beginn oder Änderung nachvollziehbar festhalten.
  • Bei Bedarfsmedikation Indikation, Abstand, Höchstmenge, Wirkungseintritt und Eskalationsweg eindeutig regeln.
  • Neue Verordnungen aktiv gegen Medikationsplan, Selbstmedikation, Allergien, Nierenfunktion und sedierende Komedikation abgleichen.
  • Opioidpflaster mit eindeutiger Wechsel-, Klebe- und Entsorgungslogik führen.
  • Nach Neueinstellung oder Dosisänderung gezielt Wachheit, Atmung, Kreislauf, Mobilität, Stuhlgang, Urin und Delirzeichen beobachten.
  • Unzureichende Wirkung, steigenden Bedarf und Nebenwirkungen zeitnah, konkret und mit zeitlichem Bezug ärztlich rückmelden.
  • Bewohnende und Angehörige so informieren, dass Warnzeichen und Zuständigkeiten verstanden werden.

Ein guter Medikamentencheck in einem Satz

Was wird warum gegeben, welches Ziel soll bis wann erreicht sein, welche Risiken sind bei genau diesem Menschen relevant, woran erkennen wir Nutzen oder Schaden – und wer handelt bei Abweichungen?

Wenn diese Fragen nicht beantwortet sind, ist die Schmerzmedikation noch kein vollständiger Behandlungsplan. Gute geriatrische Schmerztherapie vermeidet sowohl gefährliche Übertherapie als auch das stille Aushalten vermeidbarer Schmerzen.

Quellen und redaktionelle Einordnung

Dieser Beitrag vermittelt Basiswissen für Pflegealltag und Angehörigenbegleitung. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnose, Verordnung, Dosisfestlegung, pharmazeutische Prüfung oder Notfallbehandlung. Maßgeblich waren:

  1. Deutsche Schmerzgesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie und UVSD SchmerzLOS: S3-Leitlinie GeriPAIN, Version 1.0, 2025.
  2. DNQP: Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020 – Auszug.
  3. DGPPN und DGN: S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.1, 2026.
  4. BfArM: Metamizolhaltige Arzneimittel – Maßnahmen zum Agranulozytoserisiko, aktualisiert 2025.
  5. BfArM: Risiken der gleichzeitigen Anwendung von Opioiden und Benzodiazepinen beziehungsweise sedierenden Arzneimitteln.
  6. BfArM: Fentanylhaltige transdermale Pflaster – Warnhinweis zur versehentlichen Anwendung, 2023.
  7. BfArM und Paul-Ehrlich-Institut: Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2/2025 – Überdosierungsgefahr durch Wärme bei Opioidpflastern.
  8. BfArM: Oxycodon und Fentanyl – Warnhinweise zu Abhängigkeit und Sucht, 2025.
  9. PRISCUS 2.0: Potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen, Aktualisierung 2022.
  10. gesund.bund.de: Chronische Schmerzen – Ursachen und Behandlung.
Redaktioneller Standard: Überprüfung bei relevanter Änderung der S3-Leitlinie GeriPAIN, amtlicher Risikoinformationen oder des DNQP-Expertenstandards, spätestens jedoch bis Juli 2027. Hinweise auf Fehler oder missverständliche Formulierungen können über das Kontaktformular gemeldet werden.